Gonarthrose
Gelenkersatz am Kniegelenk
Der Gelenkverschleiß am Kniegelenk, die so genannte Gonarthrose, hat viele Ursachen. Neben den entzündlichen rheumatischen Erkrankungen, den Gelenkfehlstellungen bei O– oder X-Bein und altersbedingten Verschleißerkrankungen ist die Entwicklung einer Arthrose als Folge einer Verletzung eine der häufigsten Ursachen, die zur Implantation eines künstlichen Gelenkes oder Teilgelenkes führen.
Von Dr. med. Michael Krüger-Franke
Die Zahl der Kniegelenksverletzungen hat in den letzten Jahrzehnten beim Sport und in der Freizeit stark zugenommen. 30 bis 40 Jahre nach einer schweren Kapsel-Bandverletzung beim Skifahren oder beim Fußball stellt sich leider sehr oft eine schwere und schmerzhafte Arthrose des Kniegelenkes ein, die den Patienten in seiner Alltagsgestaltung stark einschränkt und eine sportliche Betätigung völlig unmöglich macht. Dann ist es nach einer intensiven Behandlung mit Injektionen ins Kniegelenk, Krankengymnastik, Schuhzurichtungen und Einlagen irgendwann soweit, dass nur noch eine Operation als letzte Rettung verbleibt. Die Arthroskopie kann in solchen Fällen keine Heilung, meist nicht einmal mehr Linderung verschaffen. Wenn der Knorpel im Kniegelenk aufgebraucht und der Knochen freiliegt ist, hilft nur noch der Einsatz eines künstlichen Gelenkteils.
In Deutschland wurden 2010 insgesamt 165.000 künstliche Kniegelenke implantiert; die Zahl der Teilgelenksprothesen steigt.
Welche Möglichkeiten bestehen bei einer Kniegelenksarthrose? Wann muss eine Operation durchgeführt werden, welche Implantate sind heute möglich?
Eine Kniegelenksarthrose kann in einem Teil des Gelenkes auftreten oder im ganzen Kniegelenk verbreitet sein. Man spricht von einer unikompartimentellen Arthrose, wenn eines der drei Kniegelenkskompartimente betroffen ist: Das Knieschiebengelenk, das Patellofemoralgelenk oder das mediale oder laterale Kniegelenk.
Es ist heute möglich, diese Gelenkanteile isoliert zu ersetzen. Eine Methode, bei der weniger Implantat eingesetzt wird und bei der minimal-invasiv operiert werden kann. Die Rehabilitation ist schneller als bei einer Totalendoprothese, die Belastbarkeit ist gleich. Allerdings geht man von einer etwas geringeren Lebensdauer der Teilgelenksprothesen aus; hier spricht man je nach individuellem Befund und individueller Belastung von 10 bis 15 Jahren. Denn es ist klar, dass ein künstliches Gelenk oder Teilgelenk schneller abnutzt, wenn es exzessiv belastet wird, und dass es langsamer verschleißt, wenn der Träger sehr schonend mit seinem Gelenk umgeht.
Doch leider eignet sich nicht jede Teilarthrose auch für einen Teilgelenkersatz. Es gibt sehr strenge und klare Richtlinien, wann ein Teilgelenk eingebaut werden darf. Bandstrukturen müssen erhalten sein, es dürfen keine entzündlichen Gelenkveränderungen vorliegen, in den anderen Teilen des Kniegelenkes muss die Gelenkknorpelfläche weitgehend intakt sein. Nur dann ist ein Teilgelenkersatz möglich und sinnvoll. Die moderne Kniegelenksendoprothetik erfordert die Kenntnis und die Erfahrung mit allen diesen Prothesen, um jedem Patienten das für ihn sinnvolle Implantat einsetzen zu können. Eine „Prothetik von der Stange – ein Model, eine Größe“ darf es heutzutage nicht mehr geben.
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